4. Februar 2026

Nachhaltige Baustoffe beim Hausbau

Die konventionelle Baubranche ist ein bedeutender Treiber der CO₂-Emissionen.1 Rund zehn Prozent der deutschen Klimaemissionen gehen auf Baustoffe zurück. Gleichzeitig wächst der Wunsch vieler Bauherren, nachhaltig, umweltfreundlich und wohngesund zu bauen. Doch welche Materialien sind tatsächlich nachhaltig und schützen unser Klima?

Kaum ein Buzzword wird so inflationär benutzt wie „Nachhaltigkeit”. Fast jedes Produkt wird heute als „nachhaltig“ beworben. Umso wichtiger ist es, Nachhaltigkeit im Kontext des Bauens genau zu definieren. Nachhaltiges Bauen bedeutet für uns, die Umwelt zu schützen, Ressourcen zu schonen und soziale Verantwortung zu übernehmen – heute und für kommende Generationen. Als Hersteller von Gebäuden aus Holz haben wir gemeinsam mit unseren Bauherren die Möglichkeit, an wichtigen Stellschrauben im Sinne des Klimaschutzes zu drehen.

Wie nachhaltig wird heute gebaut?

Laut Gebäudeenergiegesetz (GEG) verfügt ein nachhaltiges Gebäude über eine hochwärmegedämmte Gebäudehülle, um Wärmeverluste zu minimieren, und nutzt regenerative Energiequellen zur Deckung des Heizbedarfs. Diese Aspekte sind bereits gesetzlich verankert. Das Gebäudeenergiegesetz definiert und regelt die energetischen Anforderungen an Gebäude und macht in Bezug auf die Heiztechnik und den Wärmedämmstandard konkrete Vorgaben. Das ist gut so, doch ist es damit getan? Sind diese Gebäude dann wirklich nachhaltig?

Welche Baustoffe konkret zur Konstruktion oder zur Dämmung der Gebäudehülle eingesetzt werden, regelt das Gesetz nicht. In dieser Hinsicht ist das Gesetz blind. Das GEG differenziert weder zwischen Bauweisen wie dem Holzbau oder dem Betonbau noch zwischen verschiedenen Baustoffen. Nachwachsende Rohstoffe und Kunststoffe wie Polystyrol, das hauptsächlich aus Erdöl hergestellt wird und somit eine endliche und fossile Energie nutzt, werden nicht unterschieden.

Wandaufbau mit Zellulosedämmung

Ein Drittel der Treibhausgasemissionen entsteht vor dem Einzug

Gebäude prägen ihre Klimabilanz lange bevor sie genutzt werden – mit der Materialwahl, mit den Produktionsprozessen und mit der Art der Bauausführung. So tragen beispielsweise auch die verwendeten Fassaden- und Dämmmaterialien, die häufig umweltbelastende Stoffe wie Polyurethan, Polystyrol oder Mineralwolle enthalten, zu den hohen Emissionen der Baubranche bei. Diese Materialien sind jedoch nach wie vor der Standard bei Neubau- oder Sanierungsvorhaben.

Gut ein Drittel aller Treibhausgasemissionen eines Gebäudes entsteht bereits vor der tatsächlichen Nutzung. Die Möglichkeiten, diese verbauten CO₂-Emissionen zu reduzieren, liegen vor allem in der Bauweise und den verwendeten Baustoffen, also in der Herstellung und Errichtung von Gebäuden.2 Die Wahl der Baustoffe und der Bauweise hat daher einen entscheidenden Einfluss auf die Umweltbilanz eines Gebäudes. Im Vergleich zu energieintensiven Baustoffen wie Zement oder Stahlbeton sind ökologische und biogene Baustoffe, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, deutlich emissionsärmer. Sie sind oftmals gleichzeitig CO₂-Speicher und zudem einfacher wiederverwendbar. Aus einer Nachhaltigkeitsperspektive sind diese Aspekte von entscheidender Bedeutung.

Was zeichnet einen nachhaltigen Baustoff aus?

Für den Bau unserer Fair Trade Häuser nutzen wir ökologische, recyclefähige und zertifizierte Naturbaustoffe. Chemische Holzschutzmittel, Styropor, Kunststoffe oder Folien als Dampfsperre haben in unseren Holzhäusern nichts zu suchen. Wir sprechen von nachhaltigen Baustoffen, wenn diese Materialien über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg ökologische, gesundheitliche und wirtschaftliche Vorteile bieten.

Nachhaltige Baustoffe unterbieten herkömmliche Materialien erheblich in puncto CO₂-Emissionen und Umweltbelastung und tragen dazu bei, den ökologischen Fußabdruck von Bauvorhaben zu minimieren. Ressourcenschonung, Energieeffizienz und Langlebigkeit stehen dabei im Vordergrund. Ökologische und nachhaltige Baustoffe zeichnen sich vor allem durch fünf Merkmale aus:

  • nachwachsende oder recycelte Rohstoffe: Nachhaltige Baustoffe schonen unsere Ressourcen, da sie entweder nachwachsen oder aus bereits vorhandenen Ressourcen gewonnen werden können.
  • geringe CO₂-Emissionen bei Herstellung und Transport: Nachhaltige Materialien können mit wenig Energieaufwand hergestellt und verarbeitet werden. Eine regionale Verfügbarkeit reduziert Transportwege und damit verbundene Emissionen.
  • Langlebigkeit und Wiederverwertbarkeit: Nachhaltige Baustoffe lassen sich am Ende ihrer Nutzungsdauer leicht recyceln oder für andere Zwecke wiederverwenden, was die Kreislaufwirtschaft fördert. Dadurch werden Abfallmengen reduziert und der Bedarf an neuen Rohstoffen wird gesenkt.
  • geringe Schadstoffbelastung: Nachhaltige, ökologische Baustoffe sind frei von schädlichen Chemikalien, was negative Einflüsse minimiert und das Wohlbefinden spürbar fördert.
  • positive Wirkung auf Raumklima und Wohngesundheit: Hygroskopische Naturbaustoffe können Feuchtigkeit aufnehmen und in der Heizperiode wieder an die Umgebungsluft abgeben. Diese Eigenschaft sorgt für ein ausgeglichenes Wohnraumklima.

Nachhaltigkeit endet also nicht beim Material selbst, sondern umfasst auch die Bereiche Produktion, Nutzung und Entsorgung. Beim Hausbau bedeutet Nachhaltigkeit demnach strenggenommen, den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes zu betrachten: den Bau, den Betrieb und den Rückbau des Gebäudes sowie die dafür eingesetzten Produkte.

Wandaufbau nachhaltige Baustoffe

Lebenszykluskosten beim Hausbau

Bei der Investitionsentscheidung spielen für den Bauherren meist die reinen Herstellungskosten die Hauptrolle. Doch gerade für Bestandshalter von Immobilien, also vor allem Menschen, die selbst in das Eigenheim einziehen und es gerne auch an ihre Nachkommen vererben möchten, ist diese Betrachtungsweise viel zu kurzsichtig. Erst durch die Berechnung und Betrachtung des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes können wirtschaftlich nachhaltige Entscheidungen für oder gegen ein Projekt getroffen werden.

Die Betrachtung der Lebenszykluskosten bzw. Life Cycle Costs (LCC) setzt sich aus den Herstellungs-, den Betriebs- und auch aus den Rückbaukosten eines Gebäudes zusammen. Diese ganzheitliche Betrachtungsweise ist die Basis für eine nachhaltige Investition. Aktuelle Studien zeigen, dass ein lebenszyklusoptimiertes Bauen nicht teurer sein muss.3

Neue, nachhaltige Baustoffe verbessern nochmals unseren Wandaufbau

Mit unseren Fair Trade Häusern verfolgen wir seit Jahren das Ziel, in allen Bereichen der Ökobilanz Standards zu setzen und in puncto Klimaschutz mit nachhaltigen Baustoffen und einer nachhaltigen Produktion jede Menge CO₂ einzusparen. Dazu gehört es auch, dass wir hin und wieder einen sehr guten Baustoff durch einen noch besseren ersetzen. Bei unserem diffusionsoffenen Wandaufbau  kommen beispielsweise zwei neue Baustoffe zum Einsatz.

Als Dämmmaterial nutzen wir nun eine Weiterentwicklung aus dem Hause ISOCELL namens ISOCELL Evolution. Neben ausgezeichneten Wärmedämmwerten und hervorragenden Hitze- und Schallschutzeigenschaften verfügt ISOCELL Evolution durch die Beimischung von mineralischen Salzen über einen verbesserten Brandschutz. Zellulose gilt aber ohnehin als schwer entflammbar. Zudem besitzt diese Variante der feuchtigkeitsregulierenden und diffusionsoffenen Zellulosedämmung aus sortenreinem Zeitungspapier eine ETA-Zulassung und ist nach Standards wie QNG und DGNB förderfähig, was für entsprechende Förderanträge von Vorteil ist.

Außerdem beziehen wir die aussteifende Holzspanplatte für unseren mehrschichtigen Wandaufbau inzwischen vom deutschen Traditionshersteller Pfleiderer aus Neumarkt in der Oberpfalz. Die LivingBoard Face Contiprotect P 5 von Pfleiderer wurde mit einem 100 Prozent formaldehydfreien Bindemittel verleimt und bietet hervorragende technische Eigenschaften für langlebige und wohngesunde Gebäude. Im Gegensatz zu vielen anderen OSB-Platten, deren Holz häufig aus harzreichen Kiefern stammt und die daher entsprechend höhere Emissionen verursachen, wird das Holz bei der LivingBoard fast ausschließlich aus harzarmer Fichte hergestellt

Für eine LivingBoard-Platte müssen keine Bäume eigens gefällt werden. Hergestellt wird die Platte aus Sägewerksnebenprodukten wie Spänen, Schwarten und Spreißeln sowie aus Durchforstungsholz, das aus PEFC- oder FSC-zertifizierten Wäldern sowie aus anderen kontrollierten Quellen stammt. Neben dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ wird ein konsequentes Bekenntnis zur Kreislaufwirtschaft bei dem Produkt durch das Label „Cradle to Cradle Certified™ Silver“ bestätigt.

Schicht für Schicht erklärt

Aus diesen Naturbaustoffen stellen wir unseren mehrschichtigen Wandaufbau beim Holzhaus her:

 
  • Putzfassade mit mineralischem Außenputz beispielsweise von Keim (hier abgebildet) oder Holzfassade nach Wahl oder eine Kombination von beiden Materialien
  • Gutex-Thermowall Holzweichfaserdämmplatte aus gepresstem und recyclefähigem Restholz, 60 mm. Bei einer Holzfassade verwenden wir an dieser Stelle eine winddichte Pavatex Isolair Dämmplatte für hinterlüftete Fassaden, 40 mm
  • Fichtenholz-Holzständerwerk aus nachhaltiger Forstwirtschaft, Herkunft aus Süddeutschland, Österreich oder Skandinavien (160 bis 240 mm)
  • Isocell Evolution Zellulosedämmung aus recycelten Tageszeitungspapier, (160 bis 240 mm)
  • Pfleiderer Livingboard Face Contiprotect P5, formaldehydfreie OSB-Platte, 15 mm
  • Gutex Thermoflex Holzfaserdämmung, 40 mm oder Installationsebene mit recycelfähiger Steicoflex-Holzfaserdämmung
  • Fermacell-Gipsfaserplatte aus recycelten Papierfasern, Gips und Wasser, 12,5 mm

Nachhaltigkeit entlang der Lieferkette beim Fair Trade Haus

Nachhaltig bauen bedeutet für uns auch, Mensch und Umwelt entlang unserer Lieferkette im Blick zu behalten. Wir können uns bei unseren langjährigen Partnerfirmen auf CO₂-sparende Herstellungsprozesse, faire Arbeitsbedingungen, die Übernahme von sozialer Verantwortung sowie auf gut nachvollziehbare Lieferketten verlassen. Alle unsere Hersteller und Zulieferer stammen aus dem deutschsprachigen Raum. So stärken wir die lokale Wirtschaft und reduzieren gleichzeitig die CO₂-Belastung durch kurze Transportwege.

Beispielsweise beziehen wir unser Holz aus dem nahen Sauerland. Unser Lieferant Schmelter aus dem Kreis Olpe ist ein regionaler, PEFC-zertifizierter Anbieter, der eine nachhaltige Waldbewirtschaftung verfolgt. Auch beim Rohstoffeinkauf verpflichtet sich Schmelter zur Einhaltung einer Reihe selbst auferlegter Kriterien zur Gewährleistung der Nachhaltigkeit. (www.schmelter.de/ueber-schmelter).

Nachhaltiger Holzbau als Hoffnungsträger für den Klimaschutz

Natürlich wissen wir, dass wir die Welt nicht allein retten können. Aber jede und jeder kann im Alltag einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Schon kleine Schritte im täglichen Leben wirken, wenn viele mitmachen. Als Teil des Bausektors sind wir der Meinung, dass wir eine Verantwortung haben und eine Vorreiterrolle einnehmen müssen, um emissionsarme und kreislauffähige Baumaterialien zu etablieren.

Schon heute spart jedes unserer Einfamilienhäuser in Holzbauweise durch die Bindung von Kohlenstoff und den Ersatz CO₂-intensiver Baustoffe rund 80 Tonnen CO₂. Je mehr Gebäude aus nachhaltigen Baumaterialien gebaut werden, desto besser ist dies für unser Klima. Laut einer Studie des Lehrstuhls für Ressourceneffizientes Bauen der Ruhr Universität Bochum aus dem Jahr 2017 könnten 23,9 Millionen Tonnen CO₂ eingespart werden, wenn man 55 Prozent der Einfamilienhäuser und 15 Prozent aller Mehrfamilienhäuser zwischen 2016 und 2030 aus Holz bauen würde.4 Diese Quoten werden in Deutschland bis 2030 nicht erreicht werden. Immerhin stieg jedoch der Anteil von Wohngebäuden aus Holz von 16,1 Prozent im Jahr 2015 auf 24,1 Prozent im Jahr 2024 an. Damit wurde ein neuer Höchststand der bundesweiten Holzbauquote im Wohnbau erreicht. Und auch die Quote der genehmigten Nichtwohngebäude in Holzbauweise erreichte mit 25,4 Prozent einen Höchststand.5 Die Zahlen zeigen, dass das nachhaltige Bauen mit Holz mehr als ein Hoffnungsträger für den Klimaschutz im Bausektor ist. Für uns sind nachhaltige Baustoffe daher kein Trend, sondern die Zukunft des Bauens.

  1. Vgl. ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH im Auftrag von Agora Industrie (Hrsg.): Reduktion und Regulierung von Embodied-Carbon-Emissionen im deutschen Gebäudesektor: Schaffung von Leitmärkten für klimafreundliche Grundstoffe, November 2024. https://www.agora-industrie.de/fileadmin/Projekte/2022/2022-10_IND_Embodied_Carbon/A-IN_341_Embodied_Carbon_WEB.pdf
  2. Vgl. hierzu Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. (Hrsg.): Benchmarks für die Treibhausgasemissionen der Gebäudekonstruktion, 2021. https://static.dgnb.de/fileadmin/dgnb-ev/de/themen/Klimaschutz/Toolbox/102021_Studie-Benchmarks-fuer-die-Treibhausgasemissionen-der-Gebaeudekonstruktion.pdf
  3. Vgl. Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. und Building Performance Institute Europe – BPIE (Hrsg.): Lebenszyklusbasierte Betrachtung von Gebäuden: Eine Analyse von 28 Wohngebäuden zu Klimawirkungen und Kosten, 2025. https://wohnungswirtschaft-heute.de/wp-content/uploads/2025/05/dgnb-kurzstudie-lebenszyklusperspektive-klimawirkungen-und-kosten.pdf
    Vgl. hierzu auch: Bauhaus Erde und Bauwende Allianz. Mit Unterstützung vom BPIE – Buildings Performance Institute Europe (Hrsg.): Treibhausgas Grenzwerte im Lebenszyklus von Gebäuden. 12 Thesen aus der Praxis für klimaneutrales Bauen, September 2025. https://bauwende-allianz.org/wp-content/uploads/250923_THG-Report_Langversion.pdf
  4. Hafner A., Rüter S., Ebert S., Schäfer S, König, H, Cristofaro L., Diederichs S., Kleinhenz M.,Krechel M. (2017): Treibhausgasbilanzierung von Holzgebäuden – Umsetzung neuer Anforderungen an Ökobilanzen und Ermittlung empirischer Substitutionsfaktoren (THG-Holzbau). 148 S. Forschungsprojekt: 28W-B-3-054-01 Waldklimafonds. BMEL/BMUB. ISBN: 978-3-00-055101-7. https://www.ruhr-uni-bochum.de/reb/mam/content/thg_bericht-final.pdf
  5. Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen
    Baugewerbes e. V. (Hrsg.): Lagebericht 2016. https://www.holzbau-deutschland.de/fileadmin/user_upload/eingebundene_Downloads/Lagebericht_2016.pdf
    Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen
    Baugewerbes e. V. (Hrsg.): Lagebericht 2025. https://www.holzbau-deutschland.de/fileadmin/user_upload/eingebundene_Downloads/2025-06-06_Lagebericht_2025_webversion.pdf